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Abseits

Was zur Musik!

Jetzt muß ich mal meinen Senf über die Emotionen beim Onkelz-Abschiedsfestival "Vaya con tioz" loswerden - Es ist zwar schon 3 Jahre her, aber es lohnt sich!

Was macht man, um eine der umstrittensten, jedoch erfolgreichsten Rockbands Deutschlands zu verabschieden? Richtig, ein Festival. Aber nicht irgendeins – nein, das wäre zu einfach. Zu wenig. Zu normal. Zu normal für eine Band, die 25 Jahre in den Schlagzeilen stand, mehr negativ, als positiv, aber dennoch eine der größten Fangemeinden besitzt. Ja, die Rede ist von den Böhsen Onkelz.
Also: Man lädt sich einige europäische „Headliner“ ein, um selbst noch größer zu erscheinen. Dazu noch eine Art Kirmes für die Fans. Mit Bungeejumping. Hier und da noch einige Festzelte mit Coverbands. Und nebenbei noch eine riesige Dragster-Show. Schon steht das Event. Übertrieben? Nein. Eher Passend. Gebührend.
Natürlich kann ich bei diesem letzten Auftritt der Frankfurter Band nicht fehlen. Diesem letzten Auftritt? Genau gesagt, den letzten beiden – man muss schließlich die Hits zusammenfassen können – also geben die Hessen Freitags und Samstags ihre letzten Gigs.
Tag Eins. Die zahlreichen Vorbands für den ersten Auftritt der Onkelz halten, was sie versprechen. Motorhead oder Subseven sind schließlich keine Neulinge in diesem Geschäft. Bei Bier und gutem Rock ’n’ Roll stimmt man sich auf das Mainevent ein. Die hochsommerlichen Temperaturen tragen das euphorische Gefühl weiter.
Es wird dunkel. Die riesige Bühne steht im Abendrot. Der Konzertplatz füllt sich langsam mit seinen 125 000 Fans. Das Intro beginnt. Das Konzert aus einem stillen Eckchen betrachten? Fehlgeschlagen. Die Reibeisenstimme von Sänger Kevin Russel und die Solos von Gitarrist Matthias „Gonzo“ Röhr verführen zum mitrocken. Ein Klassiker jagt den Nächsten. Es ist schwer, dabei gelassen zu bleiben. Wenig später packt mich das Gefühl, und ich mache das, was auf einem Rockkonzert verlangt wird: Singen (was sich bei mir eher nach trällern oder schreien anhört), Klatschen, Hüpfen und Schubsen. Ja, ich „poge“.
Nach 2,5 Stunden Rockspektakel ist das erste Konzert zu Ende. Voller blauer Flecken, einer aufgeplatzten Lippe und geschätzten 5 Litern Flüssigkeitsverlust geht’s zurück ins Zelt. Der Schlaf, sofern ich ihn bekommen werde, wird sicher der Erholung dienen.
Tag Zwei. Die Sonne strahlt über der Lausitz, als wolle sie sagen: „Freut Euch, es gibt noch ein Konzert – das Konzert!“ Ich hege Zweifel. Soll ich weinen, da es das letzte Konzert ist, oder eher Lachen, weil immerhin noch ein Konzert veranstaltet wird? Bei Bier und Bratwurst diskutieren wir sowohl über den vergangenen Tag, als auch über den heutigen.
Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Konzertplatz. Wir sind nicht gewillt, die Auftritte von J.B.O. und Pro Pain zu verpassen. Auf dem Weg sieht man viele Menschen, denen die Feierlichkeiten der letzten Tage ins Gesicht geschrieben stehen.
Nach erfolgreichen Auftritten der Vorbands beginnt das Kribbeln im Bauch – noch mal alles geben. Die Prellungen vergessen. Egal. Das Intro beginnt und mit einem Tempo werde ich von 2 Meter großen Hühnen durch den Mischpott geschleudert. Natürlich habe ich bei der Wärme mein T-Shirt lange ausgezogen. Die Onkelz heizen die Massen wieder ein. Vergessen die Prellungen und die aufgeplatzte Lippe. Vergessen? Nein. Die „blauen Flecken“ werden sicher nicht weniger, und zu der Lippe gesellt sich eine blutige Nase. Aber egal. That’s Rock’n’Roll.
Während die Band einige Balladen spielt, drängel ich mich zum Getränkestand um meinen Wasservorrat aufzufüllen. Dabei unterhalte ich mich mit einer Gruppe, die aus Afghanen und Engländern besteht. Auf die Frage, warum sie bei diesem Konzert seien, entgegnen sie: „We are part of the last Onkelz-Show“. Leider kann ich die Kraft der Betonungen, die eindeutig auf „Part“ und „Onkelz“ liegen, hier nicht wiedergeben. Dennoch wurde mir in diesem Augenblick eines klar. Ein Lebensabschnitt geht dem Ende zu. Eine Band, die mir und sicher vielen anderen oft von der Seele gesprochen hat, verabschiedet sich. Also weiter. Weiter rein, nach vorne, um sich die letzten „blauen Flecken“ zu ergattern.
Nach zweieinhalb Stunden Spielzeit dröhnt die letzte Ansage des Bandleaders und Bassisten Stephan Weidner durch die Boxen. Er bekräftigt noch einmal, nicht als „Rock-Opa“ enden zu wollen und am Gipfel des Berges aufhören zu wollen. Ich umarme mich mit Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte.

Das letzte Lied, „Ihr hättet es wissen müssen“, eine Ballade zum Abschied der Band, bringt viele Menschen dazu, ihre Emotionen freien Lauf zu lassen. „Manchmal hat ein Jahr zwölf Stunden, ein Tag nur zehn Sekunden – wir nehmen unseren Hut, alles wird gut “, heißt es in dieser Ballade. Man hätte es nicht treffender Ausdrücken können. Ereignisreiche, gut durchdachte, aber vor allem emotionale Tage gehen zu Ende. „Vaya con tioz“, so das Motto des Festivals, passt. Denn ich gehe auch. Ich gehe, erschöpft, traurig, leer, in mein Zelt, genehmige mir noch einige Festivalgetränke und schlafe. Adios.

7.8.08 14:16





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